Die Renaissance der Elite
Wir haben der Elite auf den Zahn gefühlt: Zehn Tage lang haben wir mit Menschen gesprochen, die alle auf ihre eigene Art und Weise „elitär“ sind - oder zumindest glauben, es zu sein.
„Elite ist eine Gruppe von Menschen, die aus der Grundgesamtheit durch bestimmte Auswahlprozesse herausragt“, definiert die Soziologin und Elitenforscherin. Schnell stellten wir fest, dass sich Elite in vielen Lebensbereichen finden lässt. Heute nennt sich alles und jeder „Elite“. Immer wieder stießen wir auf diesen Begriff – und sei es bei einem Printmagazin für Milcherzeuger, einem Motorradklub oder einer österreichischen Friseurkette, um nur drei kuriose Beispiele anzuführen. Die Renaissance der Elite. Ein Begriff, der lange Jahre ein Schattendasein fristete, der aufgrund seines faden Beigeschmacks verpönt war, erlebt nun ein phänomenales Comeback.
Sogar die Allerkleinsten haben mittlerweile ihre eigene Elite. Wir haben die „Little Giants“, den ersten Elite-Kindergarten Münchens, besucht. Die Kinder werden dort zweisprachig erzogen und auch schon an mathematisches Denken und Naturwissenschaft herangeführt. Bereits in ihren ersten Lebensjahren sollen sie optimal gefordert und gefördert werden – um vielleicht später einmal zur Elite zu gehören. Soziale Selektion schon in frühester Jugend. Und die Eltern stehen bei „Little Giants“ Schlange.
Beeindruckt hat uns auch Gedächtnis-Weltmeisterin Christiane Stenger. Alltägliche Dinge verknüpft sie mit lustigen Geschichten und kann sich so unzählige Namen, Nummern oder Gegenstände merken. Durch ihre Tipps und Tricks können auch wir in Zukunft ohne Einkaufsliste in den Supermarkt gehen oder die Geburtstage aller Verwandten mühelos behalten.
Natürlich haben wir auch die offiziell gekürten Geistesspitzen getroffen, also Studenten und Professoren der Münchner Elite-Unis. Beide Seiten berichteten uns auf ganz unterschiedliche Art und Weise von der Exzellenzinitiative. „Sie hat unser alltägliches Leben stark verändert “, sagt Benedikt Grothe, Professor für Neurobiologie und Koordinator der Graduate School of Systemic Neurosciences. „Wir sind nun eine eigene Einrichtung, die jenseits der Fakultäten steht.“
Doch die Studenten beklagen, dass die Exzellenzinitiative die Lehre außen vor lässt. „Das Geld der Exzellenzinitative geht fast nur an die Forschung in Garching”, sagt TU-Studentenvertreter Moritz Tobiasch im Gespräch mit uns.
Doch neben der universitären Forschung im Fokus der Öffentlichkeit haben wir auch einen Blick auf die so genannten Orchideenfächer geworfen. So gibt es an der LMU vor allem im Bereich der Sprachwissenschaften immer wieder Studienfächer, die kaum ein Mensch kennt. Besonderes Schmankerl: Professor Ahmed Ünal gab uns einen Vortrag auf Hethitisch, einer Sprache aus Anatolien, die seit über 3000 Jahren ausgestorben ist.
Was bleibt letztendlich von der Elite?
Vor allem bleibt die Erkenntnis, dass man viel Zeit mitbringen muss, wenn man sich auf Münchner Elite-Pfade begibt. 42 Minuten dauert die U-Bahn-Fahrt mit der Linie 6 vom Forschungszentrum Garching zum Universitätsklinikum Großhadern. Raus nach Weihenstephan ist man sogar über eine Stunde unterwegs. Viele Fotografien und Videos schildern unsere facettenreichen Eindrücke von München - der schönsten Stadt Deutschlands, wie uns Trainer Christian Jakubetz immer wieder eingebläut hat. Vor allem bleibt nach zehn Tagen in München aber diese Homepage mit zahlreichen Beträgen und Eindrücken rund ums Thema „Elite“.
Wir wünschen viel Freude damit, Exzellenzen!
Benedikt Giesbers
